Ist Resident Evil 5 Rassistisch?

Veröffentlicht: März 15, 2009 von Holle in Games, Zombie
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Am Freitag erschien ja hierzulande Resident Evil 5 für Playstation 3 und XBOX360. Das in Afrika angesiedelte, äußerst gewalthaltige Spiel war schon im Voraus umstrittend, da die „Feinde“ Afrikaner waren, die sogar teilweise in traditioneller Stammestracht dargestelt werden. Zur Fragestellung, ob Resident Evil 5 rasistische Tendenzen zeige gibt es folgenden Artikel auf gamgea.com zu lesen:

Die hitzige Debatte begann schon mit dem ersten Trailer zum Spiel im Sommer 2007, der erste Gameplay-Szenen im fiktiven afrikanischen Dorf Kijuju zeigte. Chris Redfield, muskelbepackter weißer Hauptcharakter, wird von Horden infizierter schwarzer Dorfbewohner angegriffen, und setzt sich mit großzügiger Waffengewalt zu Wehr.

Die gezeigten Bilder wurden von nicht wenigen Menschen äußerst negativ aufgenommen, gerade weil die Gegner keine entstellten Zombies oder sonstige mutierten Monstrositäten sind, sondern durchweg beängstigend menschlich aussehen. Einige Schlüsselszenen, die in später folgenden Presse-Vorabversionen des Spiels zu sehen waren, machten es nicht besser; so ereiferte man sich unter anderem über eine vermeintlich angedeutete Vergewaltigung einer weißen Frau durch eine Gruppe schwarzer Männer, oder über eine Passage, in der die Spielfiguren gegen Afrikaner in traditioneller Stammestracht inklusive Kopfschmuck kämpfen müssen. Bei videogamer.com kam man nun kürzlich auf die Idee, das Thema an einen Spezialisten heranzutragen: Glenn Bowman, führender Dozent für Anthropologie an der University Of Kent in Canterbury, England. Ihm wurden die ersten drei Abschnitte des Spiels vorgeführt, mit der Bitte um anschließende ausführliche Stellungnahme. Sein Verdikt: “Ich halte es für albern, das rassistisch zu nennen.“

“Meine Meinung ist: Wenn sich ein Zombiefilm in Afrika abspielt, muss man auch afrikanische Zombies haben“, so Bowman. Die Geschehnisse in Resident Evil 5 finden in Afrika statt, und das Spiel verlangt danach, diese Umgebung in einen entsprechend feindselig erscheinenden Ort zu verwandeln. Man konzentriere sich auf jene Charakteristika, die an einem bestimmten Setting besonders herausstechen, und nutze sie für genau diesen Zweck. Verzerrte, manische schwarze Gesichter, Motive afrikanischer Masken etc., all dies werde genutzt um beim Spieler ein konstantes Gefühl der Bedrohung hervorzurufen. Der selben Formel folgte auch der Vorgänger, der bedrohlich wirkende Bauern und Dörfler im ländlichen Spanien auf den Spieler losließ, und würde man für den nächsten Teil beispielsweise Finnland als Schauplatz wählen, so könne Bowman sich vorstellen, bekäme man es womöglich mit furchteinflößenden Inuiten zu tun, die mit Walroßköpfen Jagd auf uns machen. Dies seien Methoden, die auf den ersten Blick rassistisch anmuten mögen – aber im Grunde ginge es um nichts anderes als um Zweckdienlichkeit; die Instrumentalisierung einer Szenerie, um Atmosphäre zu schaffen. Scare tactics.

Interessant kam ihm hierbei vor allem eine Szene vor, die in seinen Augen aus dem Film Black Hawk Down übernommen wurde; hierbei nähert sich Chris Redfield einer Gruppe schwarzer Männer, die auf einen Sack einprügeln, in dem sich offenbar ein Körper befindet. Als sie Chris bemerken, hören sie auf und starren ihn feindselig an; es gibt keinerlei Anzeichen dafür, dass die Männer infiziert sind. Es ginge hierbei darum, zu verdeutlichen: Dies ist ein gefährlicher Ort, du bist hier nicht willkommen. Aber es spiegele auch unfreiwillig Orte wieder, die man im heutigen Afrika, aber auch Asien und mittleren Osten vorfinde; urbane Slums, voller Fragmente zersplitterter Kulturen, voller Feindseligkeit gegenüber US-Amerikanern. Motive, die mit dem westlichen Unbehagen vor der Alterität fremder Kulturen spielen, gerade in der modernen Welt seit dem 11. September.

Dies berge laut Bowman dennoch bei weitem mehr Potential, als rassistisch interpretiert zu werden, als die mythischen Elemente wie etwa der Einsatz traditioneller afrikanischer Stammeskleidung und Maskenmotive. In der Anthropologie spreche man hierbei von “Mythemen”: Assoziationen, die unveränderlich mit bestimmten Orten und Kulturen verbunden sind. Ein solches Mythem, das wir wohl zweifellos der Kolonialzeit zu verdanken haben, sei nunmal, dass “das dunkelste Afrika ein Ort voller seltsamer Masken, Medizinmänner und weiterer solcher Dinge ist. Wenn man Afrika also als ein furchteinflößendes Setting präsentieren will, bedient man sich eben dieser Motive.“, so Bowman. Und ergänzt: “Wenn man von Rassismus spricht, spricht man nicht von Kultur. Man spricht darüber, ob es etwas eindeutiges, essentielles, biologisches an einer bestimmten genetischen Gruppe gibt, das bösartig ist.“

Bowman glaubt in dem Spiel sogar eine Art Gegenthematik wahrzunehmen; ein gewisses unterschwelliges anti-koloniales Motiv. Dies äußere sich beispielsweise in der Grundidee der Viktimisierung Afrikas durch pharmazeutische Konzerne und terroristische Vereinigungen, geleitet von weißen Charakteren, die aus Menschen Kapital schlagen. Auch findet der Spieler das Tagebuch eines Jungen, das klare Referenzen zur Kolonialzeit enthält; es erzählt davon, wie die ansässigen Menschen damals ausgebeutet und geschädigt wurden, und die “Kolonialisten” nun zurückkehren und ihre Taten der Vergangenheit scheinbar wiedergutmachen wollen, indem sie seine Leute mit einem Impfstoff versorgen. In Wirklichkeit werden sie natürlich mit einem Virus infiziert, was für Bowman insgesamt weitaus mehr als Verurteilung des Einflusses der Kolonialmächte auf die heutige dritte Welt zu werten ist, als dass das Spiel irgendeine Intention habe, Schwarze als irgendeine Art von Wilden darzustellen.
Zusammenfassend lautet seine Expertenmeinung also, dass jegliche Ereiferung über mögliche rassistische Botschaften in Resident Evil 5 ungerechtfertigt ist; mehr sogar, die reflexartige Empörung vieler Internetnutzer und nicht zuletzt auch Journalisten, die von einem Gewissen für political correctness herrührt, könne man in seinen Augen streng genommen als “inversen Rassimus” bezeichnen, der vorschreibe: Man darf keine bösen, beängstigenden Figuren darstellen, wenn sie schwarz sind. Und das Problem dieser Reaktion sei wiederum der implizierte Ausgangspunkt, dass wir andere Leute nicht als menschliche Wesen betrachten können, sondern sie stattdessen stets unterteilen wollen: In schwarz und weiß.

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