Portal 2 [Review]

Veröffentlicht: August 15, 2011 von Holle in Erfahrungsbericht, Games, Vollversion
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Die Leute bei Valve sind ein merkwürdiges Völkchen. Anstatt sich an Titel wie das versprochene Half Life 2: Episode 3 oder evtl. sogar an ein richtiges Half Life 3 zu machen, bringt Valve viele andere Titel auf den Markt, die zwar allesamt ausgezeichnet sind, aber den Half Life Fan immer noch unbefriedigt zurücklassen. Aber wie gesagt, die Spiele sind ausgezeichnet. So auch die Fortsetzung zum damals zunächst als experimentelles Spiel veröffentlichte Portal.

Während man im ersten Teil noch durch sterile Testräume wanderte um dort mithilfe der Portal Gun, die von der durchgedrehten künstlichen Intelligenz GLaDOS gestellten Aufgaben zu lösen, so sieht die Umgebung im zweiten Teil deutlich schmutziger und unaufgeräumt aus. Das liegt daran, dass man in Portal zwar GLaDOS besiegt und die Erdoberfläche erreicht hatte, dann jedoch wieder eingesperrt und in Hyperschlaf versetzt wurde. Doch man wird wieder erweckt, nicht von GLaDOS um an weiteren, mordsgefährlichen Experimenten teilzunehmen, sondern von Wheatley, einem kugelförmigen und leicht unbeholfenen kleinen Roboter. Während man von Wheatly und seinen grandiosen Monologen begleitet (die deutsche Synchro von Tobias Meister, der deutschen Stimme von Brad Pitt, ist herrlich passend) wird, durchstöbert man die heruntergekommen Testanlagen von Aperture Science auf der Suche nach einem Ausweg. Natürlich fällt einem dabei wieder die Portal Gun in die Hände und sie erweist sich mehr als einmal einziges Mittel um von A nach B zu kommen.

Als begeisterter Spieler des ersten Teils fragt man sich nun: „Und was ist daran jetzt sonderlich neu?“ Auf den ersten Blick nicht viel, auf den zweiten Blick aber so einiges. Streifte man im ersten Teil noch alleine durch die Testanlagen, gekonnt kommentiert von GLaDOS und ihrem fortschreitenden geistigen Verfall, und fühlte sich dadurch ein wenig verlassen, so ist man nun in ständiger Begleitung, die man dieses mal nicht nur hören sondern auch sehen darf. Zudem darf man sich im Verlauf des Spieles auf weitere Gameplay Elemente neben der Portal Gun freuen. Denn die Entwickler haben die Nutzung von drei verschiedenen Gels in das Spiel eingebaut. Das orangene Gel lässt einen extrem schnell rennen, wenn man damit den Boden besprenkelt hat, während das blaue Gel wie ein Trampolin wirkt, das euch beim drauf springen nach oben katapultiert. Der Hammer ist aber das Weiße Gel mit dem ihr jede Oberfläche im Spiel empfänglich für die beiden anderen Gels macht, sozusagen eine Hightech-Grundierung. Treten die Gels zunächst alle einzeln auf und ihre Anwendung ist somit ganz klar, so muss man in späteren Leveln alle drei gekonnt miteinander kombinieren um weiter zu kommen. Das klingt noch einfach, aber wer mal eine kleine Rennstrecke mit Absprungschanze und einem weiteren Trampolin gebaut hat und zwischendrin noch ein Portal hatte um alles miteinander zu verbinden weiß, dass das ganz schön knifflig sein kann und man mehr als einmal dabei in den Abgrund stürzt.

Und Laser! Was wäre ein modernes Spiel ohne Laser? Genau, nicht! deshalb hat sich Valve auch dazu entschlossen Laser in Portal 2 einzubauen. Sollte man in einen Laser laufen… ich muss euch wohl nicht sagen, dass das sehr schmerzhaft bis tödlich verlaufen kann. Aber man könnt die Laser auch zum eigenen Vorteil nutzen, denn mittels dieser lassen sich photosensitive Schalter aktivieren und somit Türen öffnen. Damit einem das aber auch gelingt muss man die Laser zunächst umleiten, vorzugsweise mit einem der rumliegenden Linsenwürfel. Sollte ich im übrigen vergessen haben die neuen Katapultplattformen zu erwähnen, die einen sehr weit weg schleudern können, sobald man sie betritt? Und um nun einen Eindruck davon zu bekommen, wie denn die Rätsel im Spiel so ungefähr sind ein kurzes Gedankenexperiment: kombiniert mal kurz im Kopf einen Raum, der mit einem Gerät ausgestattet ist, das Portale verschießt und zudem noch, oranges Gel, blaues Gel, weißes Gel, Laser, Linsenwürfel und Katapulte enthält. Puhh, ganz schön viel neuer Kram, mit dem man da umzugehen hat.

Ebenso neu ist, dass man nun eine richtige Story geboten bekommt. Statt immer nur von einem Level zum anderen zu laufen und dabei das Rätsel des Raumes zu lösen, wird euch von Wheatley einiges über die Geschichte dieser Forschungsanstalt erzählt. So erfahrt ihr zum Beispiel, dass man Wheatley immer gesagt hat er müsse sterben, sobald er sich von dem Schienensystem löst an dem er befestigt ist. Entsprechend groß ist seine Freude, als er feststellt, dass dem nicht so ist und er sich von uns getragen frei bewegen kann. Aber auch aufgezeichnete Sprachnotizen, wie man sie schon aus Bioshock 1 und 2 kennt, bringen einem dem Hintergrund näher. Lein geringerer als der Chef von Aperture Science, Cave Johnson, erklärt uns darin welche Projekte die Firma in den 60ern verfolgte und wie es zur Erschaffung von GLaDOS kam. Die Atmosphäre und die Story stimmen also auf alle Fälle.

Doch was hat sich auf der technischen Seite getan? Genau wie sein Vorgänger basiert Portal 2 auf der altgedienten Source Engine von Valve. Doch das ist nicht schlimm, denn obwohl die Source Engine mittlerweile schon sieben Jahre auf dem Rücken hat sieht Portal 2 immer noch toll aus. Dieses mal kann dasSpiel sogar mit weitläufigen Arealen glänzen, die Spieler des ersten Teils noch verschmerzen mussten. Besonderes Augenmerk wurde dieses mal auf Details, wie z.B. Wheatleys Auge oder die einzelnen Bauteile der Gechütztürme und auch auf Animationen gelegt. Besonders hübsch und überzeugend sind die Animationen zu Wheatleys Monologen und der Zusammenbau eines Geschützturms aus Einzelteilen (inc. liebevoll gestalteter Verpackung). Alles ziemlich stimmig und überzeugend. Das beste, Portal läuft (solltet ihr es auf einem PC spielen) auch auf weniger starken Rechnern.

Die Spielzeit des Solomodus variiert je nachdem wie weit man sich mit der Spielwelt einlässt. Springt man von einem Rätsel zum anderen ist ds Spiel wesentlich kürzer, verliert aber auch seinen besonderen Charme. Solltet ihr jedoch ein eher gemütlicher Spieler  sein könnt ihr mit einer Spielzeit von 8 bis 10 Stunden rechnen. Das mag erst nicht viel erscheinen, aber zum einen bekommt ihr dafür eine wirklich dichte Atmosphäre und ihr könnt nachdem ihr den Solomodus fertig habt gemeinsam mit einem Freund oder einem Fremden in den Multiplayermodus starten. Hier warten auf euch eine Fülle von Testkammern, die ihr gemeinsam lösen müsst. Jeder der beiden Spieler übernimmt die Kontrolle über einen von zwei Robotern, Atlas und P-Body. Wie gehabt kann jeder Spieler bis zu zwei Portale gleichzeitig offen habe, sodass ihr in einem Level insgesamt bis zu vier Portal offen lassen könnt. Die Kommunikation untereinander erfolgt dabei entweder durch teilweise lustige Gesten oder am PC durch einen Chat (wobei letzteres stellenweise zu kompliziert ist). Sehr löblich ist Valves Ansatz PC und Konsolenspieler zu verbinden. So könnt ihrals Nutzer einer PlayStation 3 zusammen mit PC Spilern die gemeinsamen Level lösen. Lediglich XBOX360 Spieler haben hier das Nachsehen und bleiben unter sich.

FAZIT:

Mittlerweile ist auch der Preis für Portal 2 gesunken. 29,99€ zahlt man momentan nur noch auf der Vertriebsplattform Steam und auch die Preise für die Konsolenversionen sollten demnächst nachziehen. Ein ziemlich gerechtfertigter Preis für ein Spiel, dem ich ohne großes Zögern 9 von 10 möglichen Portalen öffnen würde.

PS: Wheatley, den leicht doofen Begleiter, finde ich übrigens so toll, dass ich gerade total begeistert von einem Wheatley Eigenbau bin und mir eine Serienproduktion wünsche!

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Kommentare
  1. owblogger sagt:

    Klasse Review da haste dir wirklich viel Mühe gegeben Holle.
    Muss mir das Game wirklich auch mal Langsam holen, ich warte eigentlich nur noch auf ein passendes Steam Angebot.
    Oder das es bei Amazon.co.uk noch 1-2 Pfund runter geht.

    Bye Bye

    • Holle sagt:

      Heyho, danke für das Lob. Habe heute einen guten Flow gehabt und so gut wie alles am Stück runtergeschrieben. Komischerweise fällt mir das bei einem dermaßen guten Spiel wie Portal 2 viel leichter als bei schlechten Spielen *hust* Final Fantasy 13 *hust*…

      Ich hatte mir meine Version damals beim Summer Sale von Steam gekauft, aber eigetnlich dürftest du beim momentanen Preis in UK nichts falsch machen (schließlich würdest du bei der PS3 Version auch die STeam Version erhalten).

      Gruß

  2. AndiBerlin sagt:

    Und hast Du es durch? Ich fand das Ende grandios!

    • Holle sagt:

      Komplett durchgespielt. War so ähnlich wie bei dir damals, dass ich fast nicht die Finger davon lassen konnte. Wenn man einmal drin ist liebt man die Charaktere und die Atmosphäre.

      Das Ende fand ich wieder toll. Mir persönliche wäre beim Endgegner ein bisschen mehr Pepp lieber gewesen, aber dafür gab’s dann einen tollen Abspann, der sich nahtlos in das Gesamtbild eingefügt hat. (Sehr schön fand ich es, dass GLaDOS wieder mal zum Mikrofon greifen darf. Ach, wenn Maschinen kreativ werden)

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