Kleinod: The Producers

Veröffentlicht: Dezember 23, 2011 von Holle in Kleinod, Movie
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Immer mal wieder gibt es Filme die man sich zu seinen persönlichen Lieblingsfilmen auserwählt. Doch dann passiert es: der Film bleibt unbekannt und jeder dem man darüber erzählt kennt den Film nicht. Schrecklich, dabei gibt es doch sie viele Perlen unter den zig Tausenden Filmproduktionen dieser Welt. Zeit das zu ändern und hier abseits von aktuellen Referenzen Platz für sogenannte „All-time-favourites“ zu machen. Heute geht es um

Der ehemalige Starproduzent am Broadway, Max Bialystock, hat seine besten Zeiten hinter sich. Zwar produziert er immer noch Stücke, doch sind diese längst kein Erfolg mehr und werden bereits nach wenigen Aufführungen abgesetzt. Zur Finanzierung weiterer Stücke ist er sogar dazu gezwungen Liaisons mit alten Damen einzugehen. Erst sein Buchhalter, der verklemmte und von Selbstzweifeln geplagte Leopold Bloom hat die zündende Idee. Beide wollen die schlechteste Show am Broadway aller Zeiten produzieren, um sich nach deren schneller Absetzung mit dem Geld der Investoren aus dem Staub zu machen.

Um Ihren Plan in die Tat um zusetzen, müssen sie von jedem Element eines Broadway Stücks das miserabelste heraussuchen. Das schlechteste Stück finden sie im Werk „Frühling für Hitler“ des Alt-Nazis Franz Liebkind. Der schlechteste Regisseur der Stadt ist der divenhafte Roger DeBris, dem eine Aufführung niemals „gay“ genug sein kann. Komplettiert wird das Stück von der aufreizenden Ulla aus Schweden, die als Unschuld vom Lande gerade erst aus Schweden in den USA angekommen ist, um ein erfolgreicher Musicalstar zu werden.

Doch wird das Musical auch wirklich das schlechteste Musical aller Zeiten, nur weil jedes seiner Komponenten schlecht ist, oder heben sich diese nicht vielmehr gegenseitig auf und es entsteht ein Broadway Hit? Zum Pech für Max und Leo (und zum Glück für den Zuschauer) tritt letzteres ein und die beiden sehen sich angeklagt des Betrugs vor Gericht wieder.

The Producers ist eigentlich die Verfilmung eines Musicals, dass auf einem Film basiert. Häh?! Also noch mal von vorne: 1968 brachte Mel Brooks die Filmkomödie Frühling für Hitler – Total verrückter Broadway in die Kinos. Die Handlung ist dieselbe wie bereits oben beschrieben. Der Film ist jedoch weniger ein Musical, als eine bitterböse Abrechnung mit dem Showbiz des Broadways und einer der wenigen erfolgreichen Versuche der komödiantischen Aufbereitung des deutschen Nationalsozialismus. Der Film wurde durchweg sehr positiv in den USA aufgenommen und erhielt sogar einen Oscar für das beste Originaldrehbuch. In Deutschland hatte man damals jedoch (nachvollziehbare) Vorbehalte gegenüber dem Film und brachte diesen erst mit 8jähriger Verspätung in die deutschen Kinosäle. Da es im Film um die Planung und Aufführung eines Musicals ging, lag es eigentlich nahe, den Stoff in ein wirkliches Musical zu verarbeiten. Dennoch dauerte es noch recht lange bis das geschah.

Im Jahre 2001 war es dann aber soweit und The Producers wurde erfolgreich am Broadway und in London aufgeführt. Dabei sind besonders die beiden männlichen Hauptdarsteller Nathan Lane und Matthew Broderick zu erwähnen. Bei beiden handelt es sich um hochkarätige, bekannte Schauspieler widmeten sich aber beide bereits vorher Musicals. Mittlerweile sind beide mehrfach mit Tony Awards (der Oscar der Musical Branche) ausgezeichnet worden. Zudem arbeiteten beide bereits beim Disney Film Der König der Löwen zusammen und konnten dort bereits ihr Gesangstalent auch im Kino zur Schau stellen (Broderick als Simba, Lane als Erdmännchen Timon). Die Handlung blieb unverändert und für die Theaterinszenierung zeigte sich trotz fortgeschrittenem Alter wieder Mel Brooks verantwortlich. Zu einer Aufführung des Musicals in Deutschland kam es bisher nicht, aber die Österreicher in Wien hatten bereits das Glück eine Aufführung zu erhalten.

Erst 2005 brachte die Regisseurin Susan Stroman eine solche Version mit The Produrcers in die Kinos. Wieder ist die Geschichte dieselbe. Und mit Lane und Broderick konnten wieder die beiden Hauptdarsteller der Musicalproduktion verpflichtet werden. Ergänzt wurden die beiden damals zum einen von Uma Thurman als naive Blondine Ulla aus Schweden und von Will Ferrell als Exil-Nazi Franz Liebkind. Sowohl Lane als auch Broderick spielten ihre Rolle darin wieder sehr überzeugend und beeindruckten in den Gesangseinlagen. Auch Ferrell, den man bis dahin bereits als Darsteller komischer Rollen bemerkte hatte, spielte seine Rolle mit viel Witz und einem gehörigen Schuss an Übertreibung. Bei Thurman kann man nicht ganz genau sagen, woran es lag, aber sie überzeugte nicht wirklich. Zwar passt sie optisch gut in ihre Rolle, aber diese ist entweder zu übertrieben geschrieben oder es lag einfach nur an einer mangelnden Darstellung Thurmans. Generell wird die Übertreibung von Kritikern gerne als Negativpunkt gegen den Film gebracht. An vielen Stellen kommt dem Zuschauer einfach eine Kanonenladung voll von Übertreibungen entgegen. Für manchen Kritiker mag das zuviel gewesen sein, doch gerade von diesen Übertreibungen lebt der Film. Natürlich wirken Szenen abstrus wenn Bloom in aggressivem Ton seine Schmusedecke verlangt, oder wenn plötzlich eine potthässliche Tänzerin in den Vordergrund tritt, doch gerade das verleiht dem Film seinen besonderen Charme. An allen Möglichen Stellen gibt es immer wieder Anspielungen, sei es in der der Gestaltung eines Büros oder dem kurzen Zwiegespräch zwischen Bialystock und einem fiktiven Dritten um sich darüber auszulassen, dass Bloom verrückt sei.

Genauso überzeugen die Songs des Musicals. Die meisten sind mitreißend und stellenweise wundervoll bissig. Erwähnenswert ist z.B. das Wortspiel des schwulen Regisseurs Roger DeBris, für den eine Aufführung nicht zu „gay“ ( engl. schwul/farbenprächtig) sein kann.

Dennoch waren, vielleicht lag es an den überwiegend schlechten Kritiken, die Einspielergebnisse des Films schlecht. Von geschätzten 45 Millionen $ Produktionskosten spielte der Film gerade mal wieder 38 Millionen $ an den Kinokassen ein. Ein enttäuschendes Ergebnis für einen Mel Brooks Film, der uns mit Space Balls oder Die verrückte Geschichte der Welt erheitern konnte. Nun ja, er hat diesmal auch keine Regie mehr geführt sondern war „nur“ noch für Drehbuch, Produktion und Musik verantwortlich. Zumindest letztere stimmt bei diesem Film jedes Mal.

Auch wenn sich insgesamt um ein ziemlich übertriebenes Stück Filmgeschichte handelt, liegt wohl sein Reiz genau darin. Alles ist in diesem Film auf die Spitze getrieben. Die Rollen, die Witze und schließlich auch die Inhalte der Songs. Es ist also alles ziemlich abgedreht, aber abgedreht schön. Natürlich kann der Film nicht jedem gefallen, aber meinen merkwürdigen Geschmack hat er genau getroffen. Außerdem macht er alles richtig (naja vielleicht wäre es auch ohne Uma Thurman und mit weniger Deutschlandwitzen gegangen).

Also lasst euch nicht von anderen Meinung verwirren der Film ist einfach grandios. Obwohl er ein Musical ist, ist er auch bestens für männliche Zuschauer geeignet 😉 Ergreift die Chance wenn ihr mal irgendwo die DVD günstig erstehen könnt, der Film im Fernsehen läuft oder ihr die Möglichkeit habt eine Musicalaufführung des Stoffs zu sehen. Es lohnt sich!

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Kommentare
  1. Elmar sagt:

    Auf meinem Handy sieht deine Seite irgendwie komisch aus.

    • Holle sagt:

      Über welches Handy bzw. welchen Browser schaust du die Seite denn an? Vielleicht kann ich die Ansicht ja optimieren.

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